Nachbericht zum Fachtag des Dachverbands am  9ten Mai

  „Ich bin mein Schatz“ -

vom Selbstverständnis der Bezugspersonen in

ihrem Arbeitsalltag mit Kindern.

Es war ein sonniger und wunderschön milder Tag Anfang Mai, als sich über 80 Teilnehmer_innen in Augsburg-Hochzoll in den Räumen der Pfarrei Hl. Geist
einfanden, um sich auf eine Schatzsuche der etwas anderen Art einzulassen.

Von 9 Uhr bis 10 Uhr konnten sich die Teilnehmer_innen in unserem Tagungsbüro anmelden, einen Kaffee genießen und sich noch einmal mit einer Breze oder Obst
in der Morgensonne stärken, bevor wir fast pünktlich um 10 Uhr mit der Begrüßung
durch unsere Vorständin Bettina Niessner beginnen konnten. Die Moderation des
Fachtages übernahm, wie immer unterhaltsam und charmant, Verena Wowra-Weis vom Dachverband der Eltern-Kind-Initiativen in und um Augsburg e.V. Mit einer kleinen Rap-Einlage zur vielfältigen Rolle einer Bezugsperson ließ Sie uns schon gleich zu Beginn schmunzeln und im Takt mitwippen (siehe Kasten).

Und auch Prof. Dr. Malte Mienert nahm den Schwung aus den Anmoderation gleich mit in seinen Vortrag und begann mit der etwas provokanten Feststellung, dass ja sehr unterschiedlich „gut abgehangene“ Exemplare von Pädagogen/Pädagoginnen anwesend seien.

Der Titel seines Vortrags lautete „Abschied von der Basteltante“ und genau dies forderte Mienert auch wirklich ein. Er stieg in das Thema mit den Worten ein: „Tun sie doch einfach mal NICHTS!“ Diese Forderung brachte dann auch gleich die erste Diskussion in Gang. Wie sollen die Bezugspersonen NICHTS tun? Wird nicht von Ihnen erwartet, dass sie Angebote machen, die Kinder beschäftigen…?! Auch in der Ausbildung ist bis heute die Vorbereitung von Angeboten zentral in die Prüfungsanforderungen eingebunden. Wie können sich die Bezugspersonen da umstellen und in der Einrichtung durchsetzen, dass die Kinder nicht ständig beschäftigt werden müssen bzw. sollen. Es ist schwieriger sich auf die Themen der Kinder einzulassen und ihnen den nötigen Freiraum dafür zu schaffen als Vorbereitetes in gelenkten Bahnen zu halten.

Prof. Mienert provozierte die Zuhörer_innen und forderte zu Diskussionen mit den Sitznachbarn auf. Es entstand eine anregende und zum Nachdenken animierende Atmosphäre, aus welcher alle etwas für sich selbst und für die eigene Arbeit mitnehmen konnten.
Zentrales Thema des Vortrags war auch die Sorge um die Zukunft und deren Anspruch an die Menschen, die in dieser bestehen müssen. Niemand weiß, welche Kompetenzen die Kinder unserer Generation für diese Zukunft brauchen. Deshalb scheint der einzig gangbare Weg der zu sein, sie zu Menschen werden zu lassen, die sich ihre eigenen Themen erarbeiten können. Nur wie gelingt das, wenn die Kinder unserer Zeit nie ohne Aufsicht durch Erwachsene, die immer der Meinung sind, besser zu wissen, was für das Kind gut ist, frei entscheiden können? Wie kann ein Kind wissen, was es braucht, wenn es 24 Stunden „ferngesteuert“ durch den Tag manövriert wird? Diese und viele weitere Anregungen zum Nachdenken konnten wir alle mitnehmen und in den Workshops am Nachmittag, der ausgedehnten Mittagspause oder auch später zuhause noch einmal sacken lassen.

In der an den Vortrag anschließenden Mittagspause wurden die Teilnehmer_innen kulinarisch durch die Küche der "Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Hochzoll" verwöhnt. Draußen in der Sonne konnte man die Suppe oder das leckere Gemüsecurry genießen und das eben Gehörte noch einmal diskutieren. Nach dem Essen boten sich an sieben verschiedenen Stationen Möglichkeiten zur Schatzsuche. Sowohl das tatsächliche Sieben von Sand, der mit kleinen Kostbarkeiten versehen war, als auch das Entspannen bei einer Tasse Tee aus dem Samowar in unserer orientalischen Teeküche oder einer Kopfmassage sollte dazu beitragen, Schätze an die Oberfläche zu bringen.

Um 14 Uhr starteten dann die Workshops. Das Angebot von Sampoorna Hata Yoga über die Auseinandersetzung mit dem „Älter werden im Beruf“ oder auch die Entdeckung der Sprache als Schatz in der pädagogischen Arbeit sollte die Teilnehmer_innen noch einmal einen genaueren Blick auf sich selbst und das Verständnis der eigenen Rolle in der Arbeitswelt einer Bezugsperson werfen lassen. Auch Prof. Mienert bot einen Workshop an, in welchem die Themen des Vortrags noch einmal genauer beleuchtet und diskutiert wurden. Silvia Leippert-Thomas stellte den TeilnehmerInnen ihres Workshops die Frage, wo wir im Alltag in einer Kindergruppe die Pädagogik finden oder ob gar der Alltag selbst schon die Pädagogik sei?
Und auch die Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten, die eigene Fachlichkeit, d.h. die eigenen Schätze, auch angemessen zu zeigen, wurde in einem unserer Workshops beleuchtet.

Einen gemütlichen Ausklang konnten alle, die nach einem so langen Tag noch nicht völlig außer Puste waren noch bei einem Glas Prosecco und kleinen Knabbereien bei unserer After-Work-Runde finden.

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmer_innen und freuen uns sehr, dass wir für unseren Fachtag durchwegs positive Rückmeldungen bekamen. Und schon jetzt sind wir gespannt auf weitere spannende Fachtage in und um Augsburg…