Bundesfreiwillige sind gefragt!

 

Im Jahr 2011 gab es in unseren Einrichtungen einen regelrechten Aufschrei. Der Zivildienst wird abgeschafft, hieß es und damit waren die jungen Männer weg, die seit kurzem erst auch den pädagogischen Alltag in den Kindergruppen begleiten durften. Als dann aber der Bundesfreiwilligendienst bekannt wurde waren alle wieder beruhigt. Vor allem die Möglichkeit für Einrichtungen, weiterhin insbesondere junge Männer auf diesem Weg des freiwilligen Dienstes mit einem Berufsfeld vertraut zu machen, das sie eher seltener wählen, hat alle begeistert.

 

Während ihres Bundesfreiwilligendienstes in einer Einrichtung des Dachverbands der Eltern-Kind- Initiativen in und um Augsburg e.V.- einem der BAGE Projektstandorte Männer in Elterninitiativen – gehören die Freiwilligen einer bestimmten Kinder-Gruppe und damit einem Team einer Einrichtung an. Sie arbeiten in den Kindergruppen als zusätzliche Kraft täglich mit Kindern, Eltern und einem Team zusammen.

 

Über die Beschäftigung von Bundesfreiwilligen im Alltag der Einrichtungen hinaus hat der Dachverband als eher kleiner Träger, die Chance ergriffen, sich auch an der Durchführung der für den BFD verpflichtenden Seminare zu beteiligen. Mit der gesetzlich möglichen und finanziell begünstigten Option, als Träger 10 der 25 verpflichtenden Seminartagen selbst zu gestalten, hat sich für den Träger wie für die Einrichtungen eine echte Chance aufgetan. Die Einsatzstellen bekommen dann, wenn sie 10 der 25 Seminartage selbst oder wie in unserem Fall über den Dachverband der Eltern- Kind- Initiativen in und um Augsburg organisieren, für jeden Bundesfreiwilligen monatlich 100 € mehr Zuschuss. Dadurch lassen sich diese Seminartage kostendeckend finanzieren.

 

Die Bundesfreiwilligen können sich durch unser Seminarangebot, anders als bei den 15 Seminartagen, die von den Bildungszentren der Zentralstelle für den BFD angeboten werden, gezielt mit Themen auseinandersetzen, die ihren gelebten Alltag in der Kindergruppe betreffen.

 

Gleichzeitig sind die Seminare zum Teil Bestandteil des Fortbildungsangebots des Trägers für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtungen. Zum einen können damit auch Veranstaltungen realisiert werden, für die sich sonst vielleicht nicht ausreichend Teilnehmerinnen und Teilnehmer gefunden hätten. Zum anderen ermöglicht der höhere Männeranteil in der Gruppe der Bundesfreiwilligen noch bessere Austauschmöglichkeiten zwischen Frauen und Männern.

 

Seminare dienen der Persönlichkeitsentwicklung

 

Unser Seminarangebot dient den Bundesfreiwilligen einerseits als Plattform für den Erfahrungsaustausch unter Gleichgesinnten, andererseits können sie sich in fachspezifische Themen, die in ihrem pädagogischen Kontext gebraucht werden, tiefergehend in dieses pädagogische Feld einlassen.

 

Insbesondere junge Männer, die den Bundesfreiwilligendienst wählen, lernen mit der Seminarreihe positive und anregende Aspekte des Berufs- und Erfahrungsfeldes der pädagogischen Arbeit in der Kita kennen. Durch die Möglichkeit, das eigene Handeln in diesem Berufsfeld zu reflektieren und eigene Erfahrungen aus dem pädagogischen Alltag mit anderen zu teilen, erleben sie, dass auch schwierige und herausfordernde Momente bearbeitet werden können. Dies dient vor allem der eigenen Persönlichkeitsentwicklung.

 

Ein Ziel unserer Seminarreihen ist es, den Bundesfreiwilligen den Bezug zum Thema Identitätsentwicklung nahe zu bringen und persönliche Einstellungen und damit verknüpftes Handeln im Berufsfeld sichtbar zu machen. Für die Arbeit in Kindertagesstätten ist es unerlässlich, sich Gedanken über die eigenen Einstellungen, den eigenen Hintergrund, die eigene Haltung zu machen.

 

In unserer Seminarreihen haben die Bundesfreiwilligen die Möglichkeit sich mit anderen, die im gleichen Erfahrungsfeld tätig sind, darüber auszutauschen. In Kindertageseinrichtungen stehen die pädagogischen Bezugspersonen in vielfältigen Beziehungen. Die Bundesfreiwilligen erleben in diesen Beziehungen Jungen und Mädchen, Väter und Mütter, Kollegen und Kolleginnen, die jeweils ganz eigene Geschichten und Hintergründe haben. Manche dieser Geschichten oder Hintergründe stellen einen vor Herausforderungen, weil sie an innere Schubladen klopfen, die sich nicht immer öffnen lassen, vielleicht noch nicht mal sichtbar sind. Rollenklischees, Diskriminierungen und Einseitigkeiten sind Themen, die deshalb in der Seminarreihe fest verankert sind. Der Blick des Bundesfreiwilligen kann sich öffnen für einen vorurteilsbewussten und geschlechtergerechten Umgang.

 

Die Bundesfreiwilligen erleben nicht nur in den Einrichtungen, dass sie an etwas teilhaben, mitgestalten und mitbestimmen können. In der Seminarreihe wird Partizipation sowohl im fachlichen Zusammenhang, als auch in der Art und Weise, wie die Seminare gestaltet sind, für die Bundesfreiwilligen erlebbar. Die Bundesfreiwilligen erfahren in der Seminarreihe, dass sie als Person mit ihren eigenen Fragen und Erlebnissen aus dem pädagogischen Alltag ihrer Tätigkeit wahr- und ernst genommen werden. Sie können sich selbst als Verantwortliche für ihr Handeln erkennen und so Einfluss nehmen.

 

Unser Ziel ist es, dass die Bundesfreiwilligen durch die Erfahrungen, die sie in ihrem Dienst und in den Seminaren gemacht haben, einen Geschmack auf „mehr“ bekommen und die Arbeit in der Kita auch nach ihrem Freiwilligendienst als berufliche Perspektive ins Auge fassen.